G'schichtn im Grünen Salon

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Ich werde mit heftiger Unterstützung der zauberhaften Doro Martin von den Imaginary Friends einen Vortrag bestreiten. Gemeinsam werden wir berichten, warum jetzt auch alle eine passende Geschichte parat haben sollten und wir werden uns die brutalstmögliche Mühe geben, dabei auch amüsant und lehrreich zugeich zu sein.

Ich freue mich über aufgeregte Zwischenrufe und aggressive Diskussionen im Nachgang. Höchstwahrscheinlich werde ich auch über Wurst reden und wer Vorschläge hat, über was ich noch plaudern sollte, kann die hier in den Kommentaren einreichen.

Achja. Das Ganze findet am Montag, den 20. Februar im Grünen Salon statt und ist eine Veranstaltung vom Social Media Club Berlin. Vielleicht sind ja noch ein paar Plätze frei.

 

 

Jetzt bitte mal alle kurz die Spielzeuge weglegen!

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Menschen spielen gerne. Vor allem, wenn das Dingsda noch total neu ist und vor allem, wenn noch nicht alle mit den Spielregeln vertraut sind. Und es gibt immer einige Jungs, die sich als Erste reingefuchst haben und jedem, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, die Vorzüge und Kniffe vorführen werden.

 

Diese Jungs sind Experten. 

Das ist auch gut so, aber diese Jungs reden eigentlich am Thema vorbei.

 

Das wird umso deutlicher, desto komplizierter das neue Spielzeug ist und desto grösser die Jungs sind. Wir nennen uns dann Social Media Experten, Transmedia Storyteller, und und und... weil wir uns davon Anerkennung, Reputation und im Klartext natürlich Aufträge erhoffen.

 

Ich gebe zu: Ich bin einer von diesen Jungs. Und wie so viele habe ich mich in den Kanälen der sozialen Medien mit einer selbstverschuldeten Filterblase umgeben. Da strömen dann im Minutentakt Ratschläge ein, die mir versprechen, dass ich ein noch besserer Experte werde, wenn ich folgende 5 Punkte beachte. Oder nur 10 Schritte vollziehen muss, um noch mehr Aufmerksamkeit zu erlangen und natürlich muss ich mir die Liste mit den 3 unerlässlichen Tools ansehen, damit ich in meiner Filterblase auch wirklich den totalen Überblick behalte...

 

Wo wir unseren geneigten Zuhörern von der Chance des Loslassens erzählen, entwickeln wir uns zu autistischen Kontrollfreaks. 

 

Wir beschreiben die Struktur und Beschaffenheit des Asphalts und die Verkehrsregeln anstelle der Schönheit der Strecke und der Verheissungen der Orte, die wir erreichen können. 

 

Um in der der Metapher der neuen Orte und der Wege zu bleiben: Der Treck gen Westen, der grosse Mythos der Besiedlung der US-Westküste war natürlich darauf angewiesen, dass Pioniere sich auf die Reise ins Ungewisse gemacht haben. Später kamen dann  die Versorgungsstationen für die Postkutschen, die Kartographen und dann letztendlich die Eisenbahn hinterher. 

 

Dieses Projekt wäre niemals möglich gewesen ohne die Mythen und Versprechungen, die abertausende von Siedlern dazu gebracht haben, ihr Hab und Gut aufzugeben und sich in ein Abenteuer zu begeben. Dieser Mythos ist nichts anderes als kollektives Storytelling, das bis heute die Grundlage der US-amerikanischen Kultur, des “American Way Of Life” ist: So formt sich eine Mentalität und so entstehen letztendlich auch Marken, die ihre Story aus grösseren Mythen ableiten (hier beispielsweise: Levi’s).

 

Um den Kreis wieder zu schliessen und die Metaphern zu verlassen: Unser kollektives Wirken in den sozialen Medien – sei es als Katzencontentblogger oder als Seifenhersteller – ist nichts anderes als Storytelling und ist nichts anderes als Kultur. Und es liegt ganz an uns, welche Richtung diese Kultur nehmen wird: mit unseren Geschichten. Viel zu häufig tritt das Ausdenken und Vortragen packender und relevanter Geschichten in den Hintergrund und weicht der technokratischen Vorstellung, dass man die Kanäle nur 100% begreifen und beherrschen muss, um Teilnehmer der digitalen Wirklichkeit zu werden. In diesem Trugschluss liegt auch das Scheitern unzähliger, gutgemeinter Kommunikationsstrategien begründet. 

 

Es ist an der Zeit, dass wir die Spielzeuge weglegen und uns dem Wesentlichen widmen.

Es gibt was zu erzählen.

Hallo-soma-labs

Wir alle streben danach, dass unser Leben eine Erzählung ergibt. Dass alles, was wir erlebt und getan haben in eine stringente Struktur passt. Dies gibt uns zumindest im Nachhinein das Gefühl, dass auch zufällige Ereignisse in der Dramaturgie unseres Lebens irgendwie einen Sinn ergeben. Weil wir immer nach dem Sinn suchen. Und wir haben insgeheim schon immer geahnt, dass wir diesen Sinn fortwährend selbst konstruieren. 

 

Ohne diese Geschichten über uns, unsere Familien und Freunde wären wir nichts. Wie haben wir uns das erste Mal verliebt, welche verrückten Umstände haben dazu geführt, dass ich ein Werber geworden bin, wie hat Newton das Prinzip der Schwerkraft entdeckt und warum hat Coca Cola eine geheime Formel? Geschichten sind Kultur und Kommerz und Zeitvertrieb und Eselsbrücke. Aber vor Allem: Wir lieben Geschichten. 

 

Wir teilen uns auf diese Weise mit: Ich bin hier! Das habe ich getan! Und wir tun es seit jeher an jedem erdenklichen Ort. Auch das Web ist ein solcher Ort, denn es ist von und aus Menschen gemacht und wir können kaum schlafen, nachdem wir diesen faszinierenden Raum gefunden haben. 

 

Mit unseren Geschichten öffnen wir neue Türen, bauen kleine Häuser und laute Marktstände, ziehen Grenzen und bilden verschworene Gemeinschaften. Haben wir diese Geschichten geschaffen oder träumen die Geschichten uns? 

 

Fest steht: Wir sind hier. Darum ist Storytelling so wichtig und deshalb muss es transmedial sein.  Mit den soma-labs möchte ich meinen Teil dazu beitragen und viele neue, spannende Geschichten finden, erzählen und erleben.

 

Wir sollten wirklich reden.

 

Amos

 

Berlin, 24, Januar 2012